welldressing.com

DE
Calendar Add/Amend Entry Venue List Photo Albums Find Out More sinfin.net

Traditionelles Brunnenschmücken

Von der Webangebot des East Midlands Tourismus:

Diesen wunderschönen Brauch gibt es in dieser Form nur in Derbyshire. Er war auch als „Brunnenblüte“ bekannt und stammt wahrscheinlich aus vorchristlicher Zeit. Was auch immer die Ursprünge dieser Tradition waren, sie wurde von den frühen Christen zusammen mit allen anderen Formen der Wasseranbetung verboten – doch sie starb nicht aus.

Worum geht es dabei? Grundsätzlich ist „Well Dressing“ die Kunst, Quellen und Brunnen mit Bildern aus einheimischen Pflanzen zu schmücken. Die Verzierungen werden auf tongefüllte Holzplatten mit einem Holzrahmen gezogen. Das dauert Stunden, weshalb die Dorfbewohner oft die Nacht vor dem ersten Festivaltag durcharbeiten, damit sie es bis Tagesanbruch schaffen. Einige Leute schmücken ihre Brunnen im Geheimen, andere laden Besucher dazu ein – da erfährt man genau, wie es gemacht wird.

Von Der Tagesspiegel:

„Well Dressing“ dürfte selbst für eingefleischte Bewunderer britischer Gartenkultur neu sein. Hinter dem Begriff verbirgt sich nicht etwa, wie der Name vermuten lassen könnte, der Modetipp eines britischen Schneiders. Im Gegenteil – mit Kleidung hat das Ganze sehr wenig zu tun. Eher mit Verkleidung. Dabei werden allerdings keine Personen verkleidet, sondern vorwiegend Brunnen. „Well Dressing“ ist die Kunst, Quellen und Brunnen mit Bildmotiven aus einheimischen Pflanzen zu verzieren.

Die aufwendigen Pflanzgebilde werden mit Hilfe von Lehm und Ton, die als Bindemittel eingesetzt werden, auf große hölzerne Rahmen aufgezogen. Die Mosaike bestehen aus natürlichen Materialien wie Blumen, Blütenblättern, Gräsern, Moosen, Baumrinde, aber auch aus Pflanzensamen, Beeren und Bohnen. In stundenlanger, oft tagelanger Kleinarbeit werden die jährlich wechselnden Motive von einer Schar an Helfern liebevoll arrangiert. Rund 40 Hände sind notwendig, um binnen einer Woche ein circa zwei Meter mal 2,5 Meter großes Brunnenbild zu erstellen. So arbeitsintensiv das Erstellen der filigranen Kunstwerke ist, so kurz ist deren Haltbarkeit. Denn zumeist schon nach wenigen Tagen verwelken die Blumengebilde oder zerbröseln die Bilder, die zuvor in einer feierlichen Zeremonie gesegnet werden.

Der Ursprung des „Well Dressing“ ist unklar. Einige vermuten, der Brauch stamme aus vorchristlicher Zeit, andere sehen darin eine mittelalterliche Form der Wasseranbetung. Der Schmuck könnte als eine Art Dankeschön für sauberes Wasser in Zeiten der Pest, der um das Jahr 1349 rund ein Drittel der britischen Bevölkerung zum Opfer fiel, an den Wasserquellen angebracht worden sein. Verbreitet ist dieser Brauch noch heute vorwiegend in der Grafschaft Derbyshire, wo die Bewohner vieler Dörfer und Städte zwischen Mai und September mit Feuereifer darangehen, ihre Brunnen – wenn auch nur für kurze Zeit – in blühende Kunstwerke zu verwandeln. Nachweislich am längsten wird das „Well Dressing“ im Dörfchen Tissington praktiziert, wo auf eine mehr als 650-jährige Tradition geblickt wird.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 14.06.2008)

© Glyn Williams 2009
HTML 5